Workshop Berichterstattung über rechts und ihre Wirkung

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Katharina Neumann, Ludwig- Maximilian-Universität München | Dr. Philip Baugut, Ludwig- Maximilian-Universität München

„Berichterstattung über erfordert umfangreiches Wissen aus der rechten Szene"

Im Workshop "Berichterstattung über rechts und ihre Wirkung“ stellten die Medienwissenschaftler Katharina Neumann und Dr. Philip Baugut von Ludwig-Maximilian-Universität München die Ergebnisse einer Studie, die sich mit der Wirkung von Berichterstattung in der rechten Szene, mit Inszenierungsstrategien der rechten Szene sowie möglichen Handlungsempfehlungen für objektiven Journalismus befasst hat. Dazu sei umfangreiches Wissen direkt aus der Szene entscheidend und so wurden Tiefeninterviews mit insgesamt sieben hochrangigen Aussteigern geführt.

Zunächst gäbe es laut der Studie große Unterschiede zwischen Basisaktivisten, die sich vorrangig mit Medien der rechten Szene beschäftigen, und hochrangigen Mitgliedern, welche durch Filtern, Einordnen und Umdeuten von Meldungen der Massenmedien anders agieren. Außerdem gäbe es unterschiedliche Gruppierung je mit anderen Schwerpunkten ihres Selbstbildes. Dementsprechend differenziert fiele auch die Inszenierung aus: Während sich etwa gewaltbereite Teile eher bei brennenden Flüchtlingsheimen wiederfinden, gäbe es auf der anderen Seite strategische rhetorische Provokationen. Alle Richtungen würden jedoch stets versuchen, starke Bilder zu erzeugen. Auch die gezielte Vermischung von extremen und populären Standpunkten, oft mit unterschwelligen Andeutungen, gehört zur Strategie vieler Akteure der Szene. 

Die Studie empfiehlt daher folgende Punkte, um die Szene nicht attraktiver zu machen:

  • Wunschdarstellungen der lokalen Szene kennen und möglichst nicht erfüllen bzw. Inszenierungsstrategien thematisieren
  • Szene nicht als „das Böse“ schlechthin darstellen, Dramatisierung vermeiden und zwischen Gruppen differenzieren
  • Ziele der Szene deutlich machen, Argumente entkräften, Ideologie „zu Ende denken“

Damit die Wahrscheinlichkeit für Nachahmer sinkt, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Betonung der Bestrafung der Täter, Thematisierung von Zustimmung vermeiden
  • Keine ausführlichen Tatbeschreibungen
  • Keine inspirierenden Bilder

Um Leser und Zuschauer zum Umdenken zu bewegen, gibt es folgende Empfehlungen: 

  • Doppelmoral in der Szene deutlich machen
  • Aussteiger zu Wort kommen lassen
  • Über Ausstiegsprogramme informieren

Für Diskussion sorgte die Empfehlung, die Szene lächerlich zu machen. Hier dürften Journalisten nicht aktiv werden, um die Grenze zur Satire zu wahren. Jedoch genüge es oftmals, nur die Realität objektiv darzustellen und für sich sprechen zu lassen, ob eine lächerliche Wirkung zu erzielen. Doch was ist die Aufgabe von Journalisten und wo endet die Objektivität? Gehört eine Haltung der Journalisten dazu? Außerdem wurde abschließend sehr intensiv darüber diskutiert, ob man über die oft wenig medial präsenten Führungskader aus der Mitte der Gesellschaft berichten sollte, um ein Gesamtbild zu zeichnen, oder ob man hier Gefahr läuft, weiteren Zulauf anzuregen.