Pressemitteilung: Lokal-TV-Kongress stellt 10 Arbeitsthesen vor


Zwischenfazit: „Lokaljournalismus ist ein unverzichtbarer Faktor für die Demokratie“

Berlin, 22. September 2016 – Die Arbeits- und Diskussionsthesen für den Lokal-TV-Kongress 2016 stehen fest. Sie kommen in diesem Jahr von Dr. Anja Zimmer, Direktorin mabb, und wurden zu Beginn des ersten Kongresstages in Potsdam allen Teilnehmern vorgestellt. Bereits in den Folgevorträgen und während der Pausen entstanden rege Diskussionen – etwas, was der Kongress unbedingt auch in diesem Jahr erreichen möchte. 

  • Demokratie braucht Lokaljournalismus
  • Lokal-TV muss glaubwürdig sein
  • Lokal-TV muss relevant und gut recherchiert sein
  • Lokal-TV kann Impulse geben
  • Lokal-TV braucht ein klares Profil
  • Lokal-TV-Redaktion wird Community-Management
  • Lokal-TV braucht qualifizierte Journalistinnen und Journalisten
  • Qualifikation ist ein ständiger Prozess, der Zeit braucht
  • Digitalisierung ist eine Chance
  • Lokal-TV braucht neue Finanzierungsquellen

Zusammenfassend erklärte Dr. Zimmer: "Wir sind uns einig, dass Lokaljournalismus ein unverzichtbarer Faktor für die Demokratie ist. Wenn wir das sind, müssen wir aber auch mehr dafür tun, dass lokale Informationen die Menschen erreichen. Relevante, glaubwürdige und professionell produzierte Inhalte auf verschiedenen Kanälen - beispielsweise auch über soziale Medien - zu verbreiten, ist in meinen Augen der Schlüssel. Lokales Fernsehen braucht ein klares Profil und qualifizierte Redakteurinnen und Redakteure. Natürlich muss das finanziert werden. Und natürlich ist gerade das nicht einfach. Kooperationen können eine Chance sein. Aus dem Radiobereich kennen wir das Gattungsmarketing. Vielleicht sind lokale Veranstaltungen, die auf die Marke der Sender einzahlen, eine Möglichkeit. Über Weiterentwicklungsmöglichkeiten - z.B. eine crossmediale Plattform für lokale Inhalte - müssen wir uns gemeinsam Gedanken machen."

„Menschen suchen nach emotionalen Ankern"

Zuvor nannte Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg, in seiner Begrüßungsansprache die Stärkung von lokalem und regionalem Journalismus einem wichtigen Punkt und bezeichnete den Kongress als eine tolle Gelegenheit, mit Akteuren darüber zu reden, wie Rahmenbedingungen aussehen müssen. Seiner Ansicht nach brauchen wir in den Regionen journalistische Qualität als wichtige Voraussetzung für die Schaffung und Wahrung lokaler Identität. Lokale Medien haben eine Aufgabe, die über die Berichterstattung hinausgeht. Sie sorgen für Dialog und halten die Gesellschaft zusammen. 

Dazu brauche es aber eine gewisse Form von Grundversorgung, auch zur Bindung junger Menschen. Medienangebote leisten dazu einen wichtigen Beitrag und können emotionale Anker sein. Gleichzeitig wies Kralinski darauf hin, dass der lokale Werbemarkt kein Wachstumsmarkt ist und immer mehr Akteure im Wettbewerb um die Gelder stehen. Verbesserungen verbunden mit den richtigen Strukturen im Lokal-TV seien daher eine wichtige Aufgabe der Landesmedienanstalten.

"Geht das Geschäftsmodell überhaupt noch?“

Die Talkrunde am Ende des ersten Kongresstages stand ganz im Zeichen der Aufforderung zu mehr Dynamik. Sowohl die Politik müsse mehr tun, sich mehr engagieren und Lokal-TV eine höhere Bedeutung beimessen als bislang. Als auch die Lokal-TV Veranstalter selbst seien gefordert, so Bärbel Romanowski-Sühl, Medienrat mabb, beharrlich auf die Politik einzuwirken, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen, neue Wege zu gehen und die Qualität im Auge zu behalten. 

Jochen Fasco, Direktor TLM, stellt in der Talkrunde die grundsätzliche Frage "Geht das Geschäftsmodell überhaupt noch?“ Wenn das Lokal-TV Geschäftsmodell nicht gut funktioniert, müsse sich Politik entscheiden, was sie tun will. Dafür muss ein gesellschaftlicher Diskurs über die Bedeutung von Lokal-TV geführt, genügend Druck aufgebaut und klar gemacht werden, wie gut Lokal-TV politische Botschaften vermitteln kann. Eine Zusammenarbeit der Sender im Netz, in den Sozialen sowie in persönlichen Netzwerken sei für eine starke Stimme gegenüber der Politik elementar notwendig, so Fasco. Romanowski-Sühl regte außerdem an, neue Wege zu gehen und berichtete vom Schweizer Modell der direkten Förderung von Lokal-TV. Für eine öffentlich-rechtliche Förderung sieht Fasco aber keine rechtliche Grundlage und daher auch kein Schweizer Modell auf Sicht. 

Robert Dobschütz von der Leipziger Internet-Zeitung glaubt fest an die Wichtigkeit der Inhalte. Auch Romanowski-Sühl sieht das so und bescheinigt lokaler Berichterstattung die Kraft, Dinge zu bewegen und die Menschen zum Überdenken von bisherigen Positionen zu veranlassen. Über den Erfolg der Inhalte würden dann aber die Nutzer entscheiden, so Dobschütz. Es sei außerdem wichtig, die Finanzierung auf verschiedenen Füße zu stellen: "Was habe ich von Reichweite, wenn ich sie nicht monetarisieren kann.“ Dazu berichtete er von ersten erfolgreichen Ergebnissen der Einführung von Abo-Modellen, welche sich jedoch auch aus seiner Sicht schlecht auf Fernsehen anwenden lassen. Jeglicher Journalismus ist für ihn aber „lokaler Journalismus“, denn es geht um die Direktheit vor Ort und den Kontakt zwischen den Menschen. Die herrschenden Missstände seien dabei ein Ergebnis, wie lange schon auf ein Handeln der Politik gewartet würde. 

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, stellt im Zuge der Digitalisierung zunächst andere ökonomische Spielregeln, geringere Renditen und den damit einhergehenden Abbau journalistischer Qualität fest und hält dies für einen riesigen Fehler. Zudem sei die jetzige Medienordnung durch die Digitalisierung überholt und die Politik gefordert. Abschließend brachte Krüger angesichts der enormen Umbrüche in der Medienlandschaft in Richtung Lokal-TV Veranstalter auf den Punkt: „Man muss sich bewegen. Man muss sich maximal bewegen.“ Und vielleicht müsse man, so Mike Langer, der Politik "ab und zu mehr weh tun."