Die Bedeutung von Lokal-TV

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Prof. Dr. Frank Fechner, TU Ilmenau 
„Lokal-TV ist eine Blume, die im Verborgenen blüht“

Prof. Dr. Frank Fechner von der TU Ilmenau gab in seinem Impulsreferat einen Komplettüberblick zur Situation von Lokal-TV. Demnach seien z.B. klassische Abgrenzungen des Medienrechts zwischen den einzelnen Gattungen kaum noch zu erkennen und würden durch immer mehr Laienjournalisten in den Sozialen Medien noch schwieriger. Zudem sieht er steigenden Produktionsdruck, eine schrumpfende Personaldecke und den Einbruch des traditionellen Werbemarktes, was laut Prof. Fechner eine Förderung durch Gesetzgeber nahe läge.

Außerdem gab er eine Zusammenfassung des rechtlichen Rahmens für Lokal-TV auf nationaler sowie auf Länderebene und stellte die zur Zeit auf europäischer Ebene diskutierte Frage: „Ist die gesetzliche Lizenzierung von Rundfunk überhaupt zukunftsfähig?“ 

In Frage stellte Prof. Fechner, ob die Gefahren der gewandelten Medienwelt, z.B. Fake News oder Social Bots, überhaupt durch den Gesetzgeber verhindert werden können. Vielmehr müssten die Bürger wieder selbst zwischen professionellem Journalismus und Laienberichterstattung unterscheiden lernen. 

Mit dem Hinweis auf die Konkurrenz durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder YouTube Kanäle mit lokalen Inhalten legte er Lokal-TV-Veranstaltern nahe, Kooperationen anzustreben. Nicht nur eine höhere Zahl an Programmen sondern auch die Konkurrenz untereinander seien entscheidend für Pluralität. Lokale TV-Sender wären eine gute Ergänzung überregionaler Berichterstattung und für die Abdeckung regionaler Besonderheiten, kommunaler Themen oder Zuschauerbeteiligung ideal geeignet. 

* Diskussion *

Laut Dr. Anja Zimmer, Direktorin mabb, stellt sich aktuell die Frage nach Glaubwürdigkeit noch deutlicher. Nur mit glaubwürdigen Inhalten könne der Meinungsbildungsprozess begleitet werden. Zu allererst sei es zudem wichtig, dass überhaupt lokale Informationen existieren und diese transportiert werden. Einer Diskussion um Beschränkungen der Arbeit von öffentlich-rechtlichen Sendern auf lokaler Ebene erteilte sie damit zunächst eine Absage. Außerdem müssen sich Lokal-TV-Veranstalter die Frage stellen, wie sie zukünftig junge Leute erreichen können. Laut Dr. Zimmer definieren sich Menschen jeden Alters über ihre Heimat. Um die wirtschaftliche Lage zu verbessern, müsse die lineare Verbreitung als die teuerste Form der Programmverbreitung ggf. durch weitere Ausspielwege ergänzt werden. Es sei darüber hinaus essentiell, Prozesse und Workflows zu verbessern und effizienter zu werden: „Man unterschätzt den Aufwand, den cross-mediale Arbeit verursacht.“

Als erfahrener Print-Journalist sieht Sergej Lochthofen momentan, dass Zeitungen viel dafür tun, dass Lokal-TV mit Leben erfüllt wird, denn weiße Flecken werden durch weiteres Schrumpfen von Tageszeitungen häufiger und größer: „Geben Sie nicht auf, Sie müssen nur durchhalten“, ermutigte er die Veranstalter im Plenum. Kooperationen zwischen Lokal-TV und öffentlich-rechtlichen Sendern könnten zudem ein guter Ansatzpunkt sein, ebenso das Internet. Allerdings gab er auch zu bedenken, dass sich auf viralen Beiträgen kein Sender aufbauen lässt. Auch ein Konzentration auf Wahlen sei schwierig, denn „die Strecke zwischen den Wahlen ist komplizierter!“

Ein wirklicher Macher von Lokal-TV ist Uwe Tschirner, Oberlausitz TV, der zunächst den „Guten Alten Diesel“ mit dem „Guten Alten Lokal-TV“ verglich und auf modernere, agilere und innovativere Anbieter von lokalen Inhalten hinwies. Außerdem werde Lokal-TV zwar wahrgenommen, jedoch gelänge immer weniger, die Finanzierung des Veranstalters aus Bewegtbildberichterstattung und Werbevermarktung. Das Kerngeschäft habe sich längst in Richtung Auftragsproduktion verlagert. Demzufolge müssten sich Lokal-TV-Veranstalter als Medienhaus positionieren und mit speziellen Produktionen entlang des jeweiligen Ausspielweges agieren. Die eigentliche Frage sei jedoch: Wie wird das alles finanziert?