Ergebnis und zentrale Forderung des Lokal-TV-Kongresses 2015


Guter Journalismus braucht eine solide Finanzierung

Lokal-TV-Kongress 2015 vom 23.-24. September in Potsdam

Mit der Forderung nach einer soliden finanziellen Basis für Lokalfernsehen ist der Lokal-TV-Kongress 2015 zu Ende gegangen. Wie der Weg dahin aussehen soll, war das beherrschende Thema der zweitägigen Veranstaltung in Potsdam. Neben einer Verbreiterung der Werbefinanzierung waren die verschiedenen Förderansätze der Landesmedienanstalten in der Diskussion. Bislang erfolgt diese vor allem im Bereich der Programmverbreitung, aber auch mit Aus- und Weiterbildung, Studien, Reichweitenforschung und innovativen Projekten. Das sei auch alles sehr wichtig und man sei dankbar dafür, so Horst Waschke, Vorsitzender des Brandenburgischen Fernsehnetz e.V. (BFN), das Kernproblem aber bleibe. Lokal-TV brauche eine solide Grundlage für die redaktionelle Arbeit. Denn guter Journalismus brauche Zeit und qualifizierte Mitarbeiter. Darum sei Schluss mit den ewigen Beteuerungen, wie wichtig das Lokal-TV ist. Jetzt müsse es auch mit geeigneten Gesetzesänderungen und Förderkonzepten unterlegt werden. Wie das aussehen könne, zeige die Schweiz.

Viel Unterstützung bekam Thomas Langheinrich, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK), mit seinem Ansatz. Baden-Württemberg will mit einer Änderung im Rundfunkstaatsvertrag eine Option für Programmbeauftragungen und Förderungen von Inhalten erreichen. Anschließend liege es in der Hand der jeweiligen Länder, die Option zu nutzen oder bei der bisherigen Praxis zu bleiben. Das sei ein ganz föderaler Ansatz, der kein Bundesland zu etwas zwinge, jedoch Chancen eröffnen könne.

Sowohl Martin Heine, Direktor der Medienanstalt Sachsen-Anhalt, als auch die Vorsitzende des Medienausschusses Mecklenburg-Vorpommern, Marleen Janew, sehen im notwendigen, gesetzlichen Änderungsprozess ein wichtiges Ziel. Dieser müsse jedoch konzertiert auf allen Ebenen, auch mit mehr Öffentlichkeitsarbeit seitens der Verbände, sowie konkreten Forderungen vorangebracht werden. Mögliche Ansätze wären dabei die höhere Beteiligung der Landesmedienanstalten an der Haushaltsabgabe bzw. weniger Abzüge nach der Zuteilung und die Schaffung von föderalen Strukturen zur Anwendung individueller Förderkonzepte in den einzelnen Bundesländern. Auch der Ausgleich der in den Neuen Ländern fehlenden regionalen Fenster bei den großen Privatsendern wäre laut Heine ein Thema. Heute gelte es jedoch, die vorhandenen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Sinne von Lokal-TV optimal zu nutzen, um z.B. Übertragungskosten zu stützen.

 

„Wir brauchen einen gesunden Deal“

Waschke beklagte vor allem die seit nunmehr 10 Jahren bestehende, dauerhafte Unterfinanzierung der Lokal-TV-Sender sowie die mangelnde Wahrnehmung dieser Situation durch die Politik. Durch eine verbesserte finanzielle Grundlage im Rahmen eines „gesunden Deals“ könnten Lokal-TV-Sender wesentlich einfacher in sehr gutes Personal investieren und somit die Forderungen hinter den 10 Arbeitsthesen des Kongresses nach u.a. Qualität, Relevanz und Innovation auch erfüllen. Der Wille der Sender sei jedenfalls nicht das Problem. Roman Garthoff von der electronic media school ergänzt, dass die Zukunft von Lokal-TV mit der journalistischen Kompetenz steht und fällt. Es bedürfe eines Rahmens für einen Redaktionsalltag, der zuließe, dass sich ein Teil der Mitarbeiter ausschließlich um die Schaffung relevanter und attraktiver Inhalte kümmern kann. Waschke sieht im Lokal-TV-Kongress ein hervorragendes Instrument, sich bei der Politik Gehör zu verschaffen und plädiert für die Sicherstellung einer Nachhaltigkeit dieses Formates. 

„Wenn wir es nicht erklären, erklärt es keiner mehr“

Auch Mike Langer von TV Altenburg konstatiert die mangelnde Würdigung durch die Politik. Es sei einfach noch nicht angekommen, dass die lokale Nachricht insgesamt angesichts des Rückzuges der Tageszeitungen aus der lokalen Berichterstattung unmittelbar mit dem Schicksal von Lokal-TV verbunden ist. Wenn Lokal-TV diese nicht mehr liefere, wird es kein anderer tun. Zudem sieht Langer in der bundesweiten Vermarktung von Lokal-TV eine ganz wichtige Chance, die Situation zu verbessern – retten würden diese Einnahmen Lokal-TV aber auch nicht. Er schlägt daher eine direkte, unabhängige Förderung entlang eines Mindestqualitätsstandards ähnlich dem Modell in der Schweiz vor. 

 

Abschließend hielt der erstmalig von fünf Landesmedienanstalten organisierte und mit rund 120 Teilnehmern ausgebuchte Lokal-TV-Kongress die entlang der Arbeitsthesen und Diskussionen entstandenen „Hausaufgaben“ fest. Demnach gilt es nun

1. den Wert von Lokal-TV durch ein geeignetes, länderübergreifendes Gattungsmarketing kontinuierlich zu transportieren.

2. gemeinsame, konkrete Forderungen an die Politik zu formulieren. 

3. sich untereinander und durch die Verbände besser zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam zu agieren. 

4. bereits heute über technische Fragestellungen nach alternativen Verbreitungswegen und höherer Bildqualität nachzudenken. 

5. die gemeinsame, bundesweite Vermarktung möglichst vieler Lokal-TV-Sender zu organisieren und zu etablieren.